Heute schrieb mir jemand: “Es ist schade, dass es wohl noch immer Vorbehalte gegenüber *** gibt.” Genannt war das große soziale Netz eines amerikanischen Unternehmens.
Das gibt mir den Anlass für ein paar ausformulierte Überlegungen zum Thema: “Was ist das Internet?” anzustellen.
Das Internet ist rasant gewachsen durch Offenheit und Freiheit. Es gab schon vor einigen Jahren geschlossene Dienste wie BTX, t-online oder AOL. Diese konnten sich nicht gegen das offene Netz durchsetzen. Im Internet herrscht Freiheit ohne Zensur und grundsätzliche Anonymität. Keine staatliche oder private Stelle zeichnet auf und wertet aus, wer was wann ansieht oder veröffentlicht. Jedenfalls nicht so, dass es ohne Umwege einer bestimmten Person zuzuordnen ist. Das gilt aber nur für Bereiche, in denen man sich nicht mit Benutzernamen und Passwort anmeldet.
Natürlich möchten Unternehmen ihre Kunden kennen, um für Kunden möglichst zielgerichtete Angebote zu erstellen. Das ist nichts schlechtes, sondern eine Voraussetzung für guten Service. Deshalb gibt es zunehmend geschlossene Bereiche und Anreize sich bei Diensten anzumelden und einzuloggen.
In solchen geschlossenen Diensten kann man als Anbieter seine Kunden genau kennenlernen. Welcher Kunde hat welche Interessen, wann ist er online, welchem Tagesablauf geht er nach, welche (mobilen) Geräte benutzt er, welche Menschen kennt er, welche besser und welche schlechter und in welchem geografischen Bereich bewegt er sich. Es ist im Marketing nichts Neues, seine Kunden möglichst genau zu kennen. Geschlossene Bereiche machen es Unternehmen besonders leicht ihre Kunden zu beobachten und besonders gut kennenzulernen, auch ohne direkt mit ihnen zu kommunizieren.
Das ist auch erstmal nichts schlechtes. Aber es ist absolut zulässig, gegen diese Möglichkeiten der Datensammlung Vorbehalte zu haben und deshalb keinem sozialen Netzwerk beizutreten bzw. dieses nur am Rande zu nutzen. Zumindest in meinem Bekanntenkreis wird die Neigung vorsichtig mit sozialen Netzwerken (im Internet) umzugehen größer. Bei allem Fokus auf Trends sollte man auch nie durch Trends entstehende Gegentrends übersehen.
Es ist noch nicht lange her, da sind viele Menschen in Deutschland demonstrieren gegangen, weil eine Volkszählung stattfinden sollte. Heute geben Menschen viel mehr persönliche Daten freiwillig her. Und das nicht einer staatlichen Stelle sondern privaten Unternehmen aus Amerika, einem Land, das ein komplett anderes Verständnis für den Datenschutz hat als Deutschland.
Es kann auch nicht an den Haaren herbeigezogen sein, dass Datenschützer in Deutschland große Bedenken gegen einige soziale Netzwerke im Internet haben.
In diesem Zusammenhang ist es schade, dass einige Menschen, darunter auch Medienberater, ihre Arbeit zu 100% auf soziale Netzwerke konzentrieren. Soziale Netzwerke sind Dienste im Internet und vielleicht eine sinnvolle Ergänzung, um dort Inhalte (automatisch) zu übernehmen, die im freien Bereich des Internet veröffentlicht sind. Technisch ist das kein Problem. Auch die Inhalte dieses Weblog sind in einem sozialen Netzwerk zu finden. Ich sage also nicht, dass soziale Netzwerke zu meiden sind.
Es gibt aber neben dem Schutz der Privatsspäre noch andere Gründe aus dem praktischen Marketing, die dagegen sprechen, sich in der Kommunikation mit dem Kunden auf geschlossene Dienste zu konzentrieren. Dazu schreibe ich vielleicht später etwas.