Willow Creek

Heute wurde ich gefragt, ob ich Willow Creek kenne. Es gibt wohl Leute, die sich Gedanken darüber machen, dass die hiesige evangelische Kirche von diesem amerikanischen „Religionsunternehmen“ unterwandert werde. Gerade zu Weihnachten steigt ja das Interesse an Religion spürbar an. Ich habe daher etwas recherchiert.

Was ist Willow Creek?

So wie ich die Selbstdarstellung von Willow Creek verstehe, berät Willow Creek die Gemeinden wie sie wieder volksnäher werden und eine breitere Bevölkerungssschicht für den Glauben an Jesus Christus bzw. die Institution Kirche (für mich zwei unabhängige Dinge) begeistern können.

Kristische Stimmen sind im Internet natürlich auch einige zu finden. Das wundert auch nicht bei einer so konservativen Angelegenheit wie der Kirche. Es handelt sich hier um Zitate, die ich ohne Überprufung der Quellen übernommen habe.

„[…] Religion muss so am Ende vom Umsatzzwang geleitete „Pop-Religion“ werden: Der Religionswissenschaftler Hubert Knoblauch summiert sorgenvoll: „Das Geheimnis, das die Welt zusammenhält, ist das Geld. Damit werden alle bisherigen substantiellen Theologie- oder Religions-Experten entwertet. An ihre Stelle treten nun Experten der Wissensvermittlung, Präsentation und Inszenierung“[16]. Nicht von ungefähr beschäftigt eine „Megakirche“ wie Willow Creek, repräsentativ für eine im Augenblick sehr erfolgreiche religionswirtschaftliche Mode, nur eine Handvoll in USA ausgebildeter Theologen, dafür das hundertfache von Psychologen, Betriebswirtschaftlern, Medienleuten, Sozialarbeitern usw..[…]“ Quelle

„[…]Kritik wird aber schon durch die Strukturen im Keim erstickt: Kaum einer der „Leiter“ im „Willow-Creek-System“ – auch auf der Kleingruppenebene – ist theologisch gebildet und zur Artikulation von Systemkritik überhaupt in der Lage: Zu fragil sind die Konzepte und viel zu willkürlich sind die Arbeitspläne und menschlichen Zuordnungen der Mitarbeiterschaft aufgestellt, als dass sie Anwendungs-Kritik vertragen könnten. Von rund 200 Beschäftigten bei Willow Creek sind nur eine Handvoll Theologen. Die anderen erhalten ihre Anweisungen und Checklisten, wie sie z.B. als „Hirte für eine Herde von sechs bis zehn Leuten“ was zu tun haben, um die Leute zum Reden zu bringen. Straff sind die Kleingruppenleiter in die Gesamtorganisation eingebunden. Für fünf Kleingruppenleiter ist jeweils noch einmal ein „Coach“ verantwortlich, dazu gibt es „Bereichsleiter für jeweils zehn Coaches.“ Der Aufwand hat seine interne Logik: Hier in den Kleingruppen wird schließlich auch das Geld für Willow Creek verdient, denn nur knapp zehn Prozent der Besucher spendet etwa den „Zehnten“. Der damit usurpierte Begriff von „Seelsorge“ hat mit pastoraler Schweigepflicht und geistlicher Hilfe nichts mehr zu tun: Hier geht es um so vieles, dass Zweckfreiheit nicht mehr erwartet werden kann.[…]“ Quelle

Meine persönliche Meinung ist, dass es nicht schaden kann, die Kirche und den Gottesdienst etwas lebendiger zu gestalten. Warum soll Gottesdienst kein Erlebnis sein und Spass bringen? Richtig, es darf auf keinen Fall alles zum Event werden. Aber eine Kirche ist nur dann sinnvoll, wenn sie Menschen anzieht. Man kann sicherlich in der Geschichte zurückblicken und ähnliche Epochen finden, wo die Kirchen leer waren. Vermutlich waren dies Zeiten, in denen es den Menschen gut ging. So wie uns zur Zeit, auch wenn wir auf sehr hohem Niveau jammern können.

Glaube hat für mich nicht unbedingt etwas mit Religion zu tun. Die Kirche ist ein politisches Instrument. Gerade im Moment wird in der Weltpolitik (wieder mal) unter dem Stern der Kirchen und Religion dramatisch polarisiert. Es darf und sollte diskutiert werden, ob eine christliche Kirche polarisieren oder vermitteln soll. Wenn das mit Willow Creek möglich ist, habe ich nichts gegen die Beratung unserer Kirche vor Ort. Wenn Willow Creek mit dem erhobenen Zeigefinger kommt und Anleitungen zum richtigen Leben gibt, brauche ich ihn nicht. Im Gegenteil.

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