König Ödipuss, Jonah Herrnkind von Bodo Wartke

„Iokaste!!“ – „Was haste??“

Bodo Wartke‘s König Ödipus in der Lensahner Waldorfschule
Text von Helmut Trapp

Seit seinem 12. Schuljahr hatte sich Bodo Wartke, Deutschlands wohl beliebtester Klavierkabarettist in Reimkultur mit der klassischen Tragödie des griechischen Königssohns Ödipus beschäftigt. 2009 wurde es als Einpersonenstück „König Ödipus“ uraufgeführt. Gespickt mit klassischen Zitaten und dem unnachahmlichen Wartke‘schen Wortwitz kann es getrost als geniale Neudichtung des Originals von Sophokles angesehen werden.


Zusatztermine wegen großer Nachfrage:

26.05.2016 19.30 Uhr in Oldenburg
(KulTour GmbH, Göhler Str.56, 23758 Oldenburg)

04.06.2016 20.00 Uhr in Neustadt
(Kulturwerkstatt Forum, Wieksbergstr.2, 23730 Neustadt)


In seinem 12. Schuljahr wählte sich Jonah Herrnkind dieses Stück für seine 12.-Klass-Jahresarbeit in der Waldorfschule in Ostholstein. Unter der Regie von Martin Benz wirbelte der Siebzehnjährige am Flügel – das Klavierspiel hat er sich selbst beigebracht – und in 14 verschiedenen Rollen über die Studiobühne der Waldorfschule in Lensahn.

2500 Jahre nach der Uraufführung in Griechenland beweisen hier Bodo Wartke, Jonah Herrnkind und Martin Benz, dass auch klassische Dramen nichts an Aktualität und packender Dramatik verloren haben und das stets mit einem Augenzwinkern – „mit Billigung von Apoll?“ „Na,toll!“.

Requisite und Bühnenbild sind minimalistisch. Ein paar weiß verhüllte Turngeräte und eine Leiter. Ein paar Mützen, Brillen und Perücken. Drei Musikinstrumente. Eine gute Beleuchtung (Technik: Paul Ostendorf, Jan Harder und Noah Mueck). Und damit gelingt es Jonah, 14 ganz unterschiedliche Charaktere, davon bis zu drei gleichzeitig darzustellen, von den Königsfamilien, den Hirten, bis zur menschenfressenden Sphinx („wie Pfingsten nur mit S“) und dem Oh-Rakel von Delphi. Er ist fast zwei Stunden ständig auf der Bühne unterwegs, tanzt, singt und spielt mit hoher Bühnenpräsenz und unglaublich wandelbar. Er nimmt die Zuschauer mit zu einer Höllenfahrt zu den (Un-) Tiefen menschlicher Gefühle, Beziehungen und Schicksale und quasi nebenbei durch diverse Musikstile und klassische Zitate, letztere durch Schwenken eines Reclamheftchens angezeigt. Von Bibeltexten, zwei Herren im Bad bis zur Psychoanalyse, aber ohne den tiefernsten Hintergrund der tragischen Geschichte je aus den Augen zu verlieren, naja bis auf die Augen selbst: „Das wir nicht sehen ist zwar nicht schön, doch man kann sich dran gewöhn‘…“ sagt der blinde Ödipus und geht mit Teiresias nach Athen.

Das Publikum dankte Jonah mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations. Ein Theaterabend, den man so schnell nicht vergessen wird. Bodo Wartke, der im Vorwort zu dem Stücktext zu neuen Inszenierungen seines Ödipus auffordert, wird sich über diese Fassung sicher sehr freuen. Und für Jonah Herrnkind ist es ein perfektes Bewerbungsschreiben für seine berufliche Zukunft.

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