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Weniger Kontrollen, mehr Verantwortung

Ich wünsche mir Politiker, die für weniger Kontrollen eintreten. Dem Zeitgeist entspricht das leider nicht. Überall ist von mehr Kontrollen die Rede. Und erstaunlicherweise regt sich selten Widerstand. Dabei haben Kontrollen neben Kosten und Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte häufig einen entscheidenden Nebeneffekt: sie bringen nicht die gewünschte Verbesserung des kontrollierten Sachverhalts. Auch wenn es nicht unbedingt immer zielführend ist, mit Negativbeispielen die Gültigkeit des Gegenteils beweisen zu wollen möchte ich ein Beispiel anführen: trotz Vorratsdatenspeicherung de luxe ist die Sicherheitslage in Frankreich im europäischen Vergleich nicht als besonders positiv zu bezeichnen.

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Qualitätsmanagement ist noch nicht alt

Wir Menschen der Gegenwart meinen alles technisch lösen zu können. Bei einer Maschine mag es sein, dass mit der Menge der erfassten Systemdaten auch die Vorhersage eines Versagens dieser Maschine exakter wird. Je mehr gemessen wird, desto besser ist das Ergebnis der Berechnung. Es ist noch nicht lange her, da wurde im industriellen Qualitätsmanagement etabliert, die Ausschussquote dadurch zu verringern, dass Fehler durch Kontrolle während des Produktionsprozesses identifiziert werden. Heute klingt das trotzdem schon fast banal, obwohl Kaizen noch längst nicht in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen ist.

Die Gesellschaft ist keine Maschine

Bei der Gesellschaft funktioniert diese Art Qualitätsmanagement nicht. Menschen verhalten sich im Gegensatz zu Maschinen nicht rational. Rationales Verhalten wird häufig unterstellt und als Prämisse für Modellrechnungen zum Beispiel in der Wirtschaftswissenschaft verwendet. Weil sich Menschen meistens nicht rational verhalten, liegen Berechnungen und Prognosen so oft neben der Wirklichkeit. Nicht mal Wahlprognosen sind zuverlässiger als der Wetterbericht, trotzdem werden sie gemacht. Und dass Verbraucher lieber sagen, dass sie keine industrielle Landwirtschaft möchten als tatsächlich über ihr Konsumverhalten nachzudenken (geschweige denn es zu ändern), ist auch kein Geheimnis.

Nicht Kontrollen optimierten sondern Rahmenbedingungen

Kontrollen schaffen Arbeitsplätze für Kontrolleure. Das ist unbestritten wahr, allerdings auch volkswirtschaftlicher Humbug. Kontrollen kosten natürlich Geld. Der Haken daran ist, das Geld nicht auf Bäumen wächst. Dieses Geld muss erwirtschaftet werden. In der Kontrollbehörde schafft das Geld keinen zusätzlichen Wert. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Nicht zuletzt deshalb, weil es auf dem Arbeitsmarkt für viele Bereiche keine qualifizierten Kontrolleure gibt. Da tut man so als hätte man alles im Griff. Es scheitert aber daran, dass niemand tatsächlich die Arbeit macht. „Wir haben alles im Griff“, fast klingt es ein bisschen wie die Durchhalteparolen der DDR.

Wie schön wäre es statt Kontrollen zu verstärken, die Rahmenbedingungen zu verbessern? Gute Rahmenbedingungen sorgen automatisch für weniger Kontrollbedarf. Jeder Mitarbeiter einer Kontrollbehörde sollte alles dafür tun, dass die Rahmenbedingungen seines Sachgebiets so gut werden, dass niemand Interesse hat, gegen Regeln zu verstoßen.

„Moment“, mag der eine oder andere denken, „dann würden die Kontrolleure ihren eigenen Arbeitsplatz in Frage stellen.“ Richtig, das wünsche ich mir von jedem einzelnen Kontrolleur. Denn ansonsten sieht es so aus als wäre Kontrolle ein Selbstzweck, damit die Arbeitsplätze der Kontrolleure erhalten bleiben. Wenn es das ist, dann gibt es allen Grund für den Abbau von Kontrollen zu sein.

„Das ist naiv“, denken Sie. „Stimmt“, sage ich, „leider.“

Voraussetzungen für weniger Kontrollen

Kontrollen abbauen geht nicht ohne Verantwortungsbewusstsein. Verantwortungsbewusstsein gegenüber sich selbst und gegenüber der Gemeinschaft. Dafür brauchen wir echte Bildung, die uns Menschen frei und unabhängig macht.

Es gibt Menschen, die behaupten, dass ein Staat keine selbständig denkenden, unabhängigen Menschen haben möchte, weil die nicht so leicht zu regieren seien. Das Volk muss aber denken, dass es frei und unabhängig ist, weil das der Wunsch der Menschen ist. Im Moment nicht mehr als eine These. Eine These darf aber gerne gültig oder zumindest möglich sein bis das Gegenteil bewiesen ist!

„Die Freiheit nutzt sich ab, wenn Du sie nicht nutzt.“ (Reinhard Mey)

Mein konkreter Wunsch an die Politik

Mein Hauptwunsch an die Politiker hat sich seit 2005 nicht geändert: traut Euren Bürgern etwas zu, gönnt ihnen die Freiheit, zumindest einen Teil ihrer Probleme selbst zu lösen.

Einen herzlichen Dank an die Bewegung der Waldorfschulen, die ihre Schüler zum selbständigen Denken befähigen! Und: nein, Libertär ist kein Schimpfwort!