Neues Buchungssystem für Schleswig-Holstein
Es gibt mal wieder ein neues zentrales Buchungssystem für Urlaub in Schleswig-Holstein. Warum muss es eigentlich alle paar Jahre ein komplett neues System geben?
Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein sowie alle beteiligten Partner.
Vielleicht ist der Grund: Irgendwo müssen die vielen Steuergelder ja hin …
Vielleicht ist der Grund auch: Berater müssen sich alle paar Jahre ein neues Produkt schaffen, sonst haben sie nichts zu tun.
Und vielleicht gibt es noch einen anderen Grund, auf den ich mich gerne von Lesern hinweisen lasse. Unten ist eine Funktion für Kommentare.
“Mit dieser Lösung verbessern wir den Service unseren Gästen gegenüber sehr deutlich”, so der Geschäftsführer der TASH, Armin Dellnitz. “Profitieren werden jedoch nicht nur die Urlauber, sondern auch alle Beherbergungsbetriebe, die an einem der bestehenden Online-Reservierungssysteme des Landes angeschlossen sind.”
Jetzt fragt sich nur, wer da eigentlich angeschlossen ist? Und was man da buchen kann? Viel ist es nicht. Wer möchte, kann das gerne einmal probieren: Ostseebäderverband Buchungssystem
Wer mehr wissen möchte: Es wird unter der Leitung des Deutschen Tourismusverbandes seit 1997 an einer Schnittstelle (sog. ISI-Schnitstelle) gearbeitet, die genau diese Zusammenführung verschiedener Buchungssysteme regeln soll. Wie gesagt: seit 7 Jahren. Zur Umsetzung eines einheitlichen Buchungssystemes für ganz Deutschland gab es auch mal die DIRG (Deutsche Informations- und Reservierungsgesellschaft) und als die ihr Ziel nicht erreicht hat, wurde versucht, das Ziel auf eine private Gesellschaft auszulagern. Das von EU und was weiss ich wem geförderte Konstrukt hiess Travel Commerce AG und ist auch schon von der Bildfläche verschwunden.
Die eigentliche Problematik ist nicht die Zusammenführung der Systeme. Das ist nicht sooo schwierig. Der Haken hängt am Ende der Kette: Bei den Buchungssystemen. Diese werden in der Regel von Kurverwaltungen (die auch teilweise anders heissen) betrieben und Kurverwaltungen verwalten und verkaufen nicht. Und deshalb gibt jemand, der seine Unterkünfte nicht mit eigenen Mitteln belegen kann oder möchte, diese Unterkünfte eher in die Hände eines privaten Vermittlers (zum Beispiel diesem). Der hat dann zwar nicht unbedingt ein aufwändiges Buchungssystem und verbrät auch nicht so viele Steuergelder, aber er bringt Gäste.
Jetzt stehen wir vor der Wahl: möchten wir uns mit einem zentralen, steuerfinanzierten Buchungssystem schmücken oder Gäste an die Ostsee holen?
Nachtrag: Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde. Ich habe nichts gegen zentrale, meinetwegen auch staatliche Tourismusorganisationen. Die dürfen gerne den Menschen sagen, dass sie auch mal an die Ostsee kommen sollen, wenn nicht jeder herkommt (beispielsweise wenn der Raps blüht – ist echt ein schönes Naturerlebnis). Und die staatlichen Organisationen dürfen auch gerne die Presseheinis bestechen, damit die das in ihre Bildzeitungen reinschreiben. Damit erreicht man ja leider immer noch die meisten Menschen (komischerweise tatsächlich auch ein paar angenehme …). Also PR ist schon ok, wenn es eine zentrale Organisation macht. Aber wenn es um das Verkaufen geht, dann ist der Gast doch besser direkt beim Gastgeber aufgehoben. Schön persönlich, direkt und kostengünstig – so soll Vertrieb sein und das wäre er dann auch.
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